Unternehmensnews 2016

Die Mindelheimer Zeitung blickt in "die heiligen Hallen von RAICO"

FirmenportraitIn Pfaffenhausen werden Glasfassaden entwickelt und vertrieben. Bei tausenden Einzelteilen kommt es dabei auf eine gute Ordnung und Logistik an

Vom Sonnenschutz bis zur Schraube: An die 8000 Artikel, aus denen Fenster und Türen, Glasfassaden und -dächer enstehen, hält die Firma RAICO in ihrem Lager bereit. Wer in Pfaffenhausen Ware bestellt, bekommt einen Baukasten mit den entsprechenden Teilen geliefert. Johann Wagner ist dafür verantwortlich, dass die Lieferungen rasch und richtig bei den Kunden ankommen. Die "heiligen Hallen", wie sie der Lagerleiter bezeichnet, sind in drei Teile aufgeteilt. Im Langgutlager werden Profile bis zu sieben Metern Länge aufbewahrt. Im Stückgutlager gibt es Zubehör, Dichtungen, Beschläge - und tausend andere Dinge. Seit 2015 besitzt RAICO zudem ein automatisches Kleinteilelager. Zwei übermannshohe Säulen beinhalten 70 Lagerplätze. Ein Mitarbeiter scannt ein, welches Teil er benötigt, die entsprechende Schublade fährt vor und ein Lichtpunkt weist darauf hin, an welcher Stelle man zugreifen soll, um zu seinem Produkt zu kommen. Etwa 15 Lastwagen kommen täglich zwischen sechs und 17 Uhr bei RAICO an und werden dort be- und entladen. Damit alles reibungslos funktioniert, kümmern sich rund 25 Mitarbeiter im Lager um die Kommissionierung. Dieses Mal ist es ein kleiner Auftrag, den Stefan Doppelhammer abzuarbeiten hat.

Dichtung, Glasauflage, Abschlusskappen, Dichtungsplatte - Stück für Stück sammelt er mit einer "Ameise" zusammen. Er verpackt die Teile und gibt am Computer die wichtigsten Details ein, beispielsweise, wie die Sendung eingepackt ist. Hat er seine Arbeit beendet, geht die Kommissionierungsliste weiter an die Kollegen im Langgutlager. Höhenangst darf man an diesem Arbeitsplatz nicht haben. Um die Pressleiste aus dem zwölf Meter hohen Regal zu bekommen, benötigt Arif Aktas einen Gabelstapler - sowie viel Fingerspitzengefühl und die nötige Erfahrung. Ein halbes Jahr lang hat es gedauert, bis er das Fahrzeug so zügig bedienen konnte, wie er es heute macht. Zentimetergenau fährt er die Gabelzinken an die entsprechende Stelle der Langgutpalette und hebt diese mitsamt den mehrere langen Profilen aus dem Regal. Er fährt damit nach unten und aus dem Regalsystem heraus, bittet einen Kollegen, mit anzupacken. Gemeinsam tragen sie die benötigten Profile nach vorn und legen sie in einen Karton, der aussieht, als wäre er für riesige Skier ausgelegt. Die Prozedur wiederholt sich einige Male, bis Aktas seine Bestellung verpacken kann. Ist der Auftrag komplett abgearbeitet, ist auch Lagerleiter Johann Wagner zufrieden und ein Lastwagen kann die Teile zum Kunden transportieren. Rund vier bis fünf Tage dauert es bis Standardware geliefert wird. Der typische Kunde von RAICO ist ein Holz- oder Metallbaubetrieb.

Daneben bietet die Pfaffenhausener Firma aber auch spezielle Objektlösungen für Großprojekte, häufig kombiniert mit der Beratung der Architekten an. Ein Drittel des Umsatzes erzielt RAICO mit solchen speziellen Entwicklungen - hier wird extra geplant und produziert, weshalb schon mal vier bis sechs Wochen ab der Bestellung vergehen können. RAICO vermarktet seine eigenen Produkte, lässt aber fremdproduzieren. Eine eigene Produktion käme nicht infrage, erklärt Geschäftsführer Manfred Hebel: "Das Portfolio wäre so groß, dass man ganz Pfaffenhausen für die Produktion zubauen müsste."
Hinzu kommt, dass beispielsweise Aluminiumprofile in großen Presswerken hergestellt werden, ergänzt sein Kollege Stefan Lackner. "Das würde uns völlig überfordern. Wir sind in der Lieferanten-Kunden-Beziehung besser aufgehoben."

Wo Kunden stark unter Zeitdruck stehen, setzt RAICO auf Qualität und eigene Entwicklungen. "Wir haben uns mit unserer Innovationskraft einen Namen gemacht", erklärt Hebel nicht ohne Stolz und verweist auf die verhältnismäßig große Entwicklungsabteilung, die neben Vertrieb und Logistik die dritte Säule des Unternehmens ist. Allein im vergangenen Jahr hat die Pfaffenhausener Firma elf neue Patente und Gebrauchsmuster angemeldet, insgesamt sind es fast 100. In einer Werkstatt werden Prototypen gebaut und Muster für Architekten oder Messengefertigt. Und dann kommen die Produkte auf den Prüfstand: Regen und Wind werden ebenso simuliert wie zum Beispiel ein Einbruch. Mit Erfolg: Denn neben der Therme in Bad Wörishofen oder den neuen Grob-Hochhaus in Mindelheim wird auch ein deutsches Polizeipräsidium bald mit Fenstern von RAICO ausgestattet werden — und die sind sogar schusssicher.

Bericht aus der Mindelheimer Zeitung, 13.06.2016 Bericht aus der Mindelheimer Zeitung, 13.06.2016