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Nachwuchs verbindet
Text: Roman Felden

Vaterfreuden bei RAICO: Das neue Familienmitglied unter den Fassadensystemen heißt THERM+ FS-I. Michael Kaufmann und sein Team haben dieses Stahl-Fassadensystem mit Schraubrohrprofilen entwickelt – doch es hat mehrere Väter, von denen Kaufmann quasi das Sorgerecht hat. Was haben sich sein Team und er bei der Planung gedacht?

„Wir wollten ein Stahl-Fassadensystem mit integriertem Schraubkanal entwickeln, das mit unserer THERM-Familie kombinierbar ist“, erklärt Kaufmann und ergänzt: „Damit können die Architekten freier gestalten, weil sie Systembauteile haben, die hohe Lasten bewerkstelligen. Und die Verarbeiter müssen nicht mehr zwingend schweißen oder ein Profil aufschrauben beziehungsweise aufschießen, um ihre Stahl-Pfosten-­Riegel-Konstruktion herzustellen. Sie können die Pressleiste direkt mit der Tragkonstruktion verschrauben.“

In seiner Funktion als Teamleiter Fassade adoptierte er die Ausgangs­idee, zog sie mit viel Liebe auf und koordinierte ihr Erwachsenwerden. „Ich habe die Grundidee mit meinem Team weiterentwickelt und zur Umsetzung gebracht. Ich bin also nicht der einzige Papa, aber ich war sozusagen die Hebamme.“

Nachwuchs verbindet
Nachwuchs verbindet
Auf das exakte 
Spaltmaß in der 
Funktionsnut
 kommt es an.

Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Gleich zu Beginn formte Kaufmann mit seinem Team das Herzstück des THERM+ FS-I: die Funktionsnut mit darauf abgestimmter Schraube und Klipsprofil. Damit Pressleiste und Tragkonstruktion direkt ineinander fixiert werden können, war die Kernfrage: Wie muss die Nut ausfallen, in der sich die Schraube verankert? Es dauerte etwas, bis er das exakte Spaltmaß ermittelt hatte, das die Schraube leicht in der Klips-Öffnung aufnimmt, ihr aber keinen Spielraum lässt. Auch die Schraube selbst musste Kaufmann neu entwickeln: Sie sollte hart genug sein, um ihr Gewinde in das Stahlprofil zu schneiden – und gleichzeitig gute Korrosionseigenschaften besitzen, da ihr Kopf der Witterung ausgesetzt sein kann. „Wir haben uns für eine Sonderschraube entschieden, die beide Eigenschaften ermöglicht“, sagt er.

Ein weiterer Clue liegt in der innovativen T-Verbindung: Der Standardverbinder SC für Pfosten- und Riegelprofile hat ein variabel einstellbares Fixierteil zur Toleranzaufnahme von Rohrinnenabmessungen. Er ist transportstabil, ist beim Schraubrohr und bei handelsüblichen Stahlprofilen auf Anpressdruck und als Dehnriegel verschraubbar und für nachträglichen Riegeleinbau geeignet. Und auch der Leiterverbinder SCL ist auf Anpressdruck verschraubbar.

Das schlaue Baby namens FS-I kommt trocken zur Welt: Eine Hutdichtung trennt die Schraubendurchdringung von der wasserführenden Ebene. Und es reagiert unempfindlich auf Temperaturen, weil sein einteiliges Kunststoffprofil eine deutlich geringere Wärmeleitfähigkeit aufweist als etwa eines aus Metall. Je nach geforderter Wärmedämmung und gewünschtem Wärmedurchgangskoeffizienten lassen sich die unterschiedlichen Dämmblöcke aus dem bestehenden THERM‑System einsetzen. So ist das FS-I in allen Systembreiten Passiv­haus-zertifiziert – bei maximaler Wärmedämmung bis Uf=0,77 W/(m2K) inkl. Schraubeneinfluss.

„Und richtig hübsch ist es“, sagt der stolze Co-Papa. Er meint damit die kleinen Radien des Profilrohrs, die das FS-I scharfkantig machen. Architekten schätzen diese Eigenschaft, weil sie dadurch Glas und Fassadenprofil übergangslos ineinanderfließen lassen können.

Geheime Quellen berichten, dass Kaufmann und seine Helfer bereits mit einem Kindsbier auf den Nachwuchs angestoßen haben. Selbstverständlich außerhalb der Arbeitszeit. Denn Hebammen dürfen im Dienst nun mal nichts trinken.

Funktionstest mit dem ersten Prototypen aus dem 3D-Drucker
Funktionstest mit dem ersten Prototypen aus dem 3D-Drucker

Was kann das THERM+ FS-I ?

Dieses Fassadensystem mit integriertem Schraub­kanal ist mit allen anderen THERM-Systemen kombinierbar. Archi­tekten können mit ihm in verschie­densten Abmessungen und Wandstärken freier gestalten und durch seine Scharfkantigkeit elegant Glas und Fassadenprofil ineinanderfließen lassen. Verarbeiter müssen nicht mehr zwingend schweißen oder das Profil aufschießen, weil sie mit dem FS-I die Pressleiste und Stahlkonstruktion direkt miteinander verschrauben können. Zudem bein­haltet das System zwei unterschied­liche T-Verbinder für Einzelstab- und Leitermontage.

Profilrohr mit integriertem Schraubkanal und Klips-Aufsatz
Profilrohr mit integriertem Schraubkanal und Klips-Aufsatz