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Brieffreund auf Rügen
Brief: Martin Hurtienne | Fotos: Ingo Scheffler

Als er dem Marine-Peilturm am Kap Arkona eine neue Stahl-Glas-Krone aufsetzen sollte, hielt der Geschäftsführer der FLZ Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH die Luft an. Hohe Windstärken, Salzbelastung in der Luft, eine schwebende Kuppel vor laufenden TV-Kameras und zuvor keinerlei Erfahrung. Erinnern Sie sich noch an unser erstes gemeinsames Projekt, Herr Hurtienne? 

Sehr geehrter Herr Vögele,
sehr geehrter Herr Inninger,

es ist an der Zeit, heute im November 2017, dass ich Ihnen einen Brief schreibe, der über unsere Projektgeschäfte hinausgeht. Sie feiern mit Ihrer Firma nun Ihr 25-jähriges Jubiläum und haben mich gefragt, ob ich mich an unser erstes gemeinsames Projekt erinnere. Das Projekt – die Glaskuppel für den Marine-Peilturm am Kap Arkona auf der Insel Rügen – war für unsere Unternehmensentwicklung zutiefst richtungsweisend und hat unseren Ruf in der ganzen Region gestärkt. Das Abenteuerliche war: Wir hatten keinerlei Erfahrung mit Pfosten-­Riegel-Fassaden, schon gar nicht bei einer Kuppelkonstruktion. Und der Peilturm steht ja nicht irgendwo, sondern am nördlichsten Punkt der ehemaligen DDR. Dort herrscht raues Meeresklima mit hohen Windstärken, Salz­belastung in der Luft und hoher UV-Strahlung. Uns war klar: Nach abgeschlossener Montage der Kuppel können wir zu einem ­späteren Zeitpunkt nur mit hohen Kosten etwas über­arbeiten. ­Deswegen musste das Ergebnis hundert­prozentig sein. 

Marine-Peilturm
Marine-Peilturm

Heute machen wir größere und komplexere Stahl-Glas-Konstruktionen. Wir haben allein in Berlin tolle Referenzen wie die Akademie des Jüdischen Museums von Architekt Daniel Libeskind oder das Neue Museum Berlin von Architekt David Chipperfield. Im Jahr 1995 aber hat uns die Beratung und Erfahrung von RAICO den Blick für dieses Markt­segment erst geöffnet. Damals haben wir das ­RAICO-System regelrecht gelernt. Unsere Konstruktion, unser Einkauf, unsere Werkstatt, die Monteure, alle. Bis tief in die Nacht standen wir mit Ihnen im Austausch, und Ihr Außendienstler hat mit uns alle Details durchgesprochen. Einen Mitarbeiter für ­mehrere Tage nach Rügen zu schicken, um ein junges Unternehmen zu unterstützen – das hat uns sehr geehrt. 

Martin Hurtienne
Martin Hurtienne

Meinen emotionalsten Moment habe ich auch heute noch klar vor Augen. Wir haben die Stahlkonstruktion der Kuppel bei uns in der Werkstatt vollständig vormontiert und die Dichtungen und Glashalter schon befestigt. Per Tieflader haben wir sie unter Sonderfahrzeug-Geleitschutz der Polizei über die extra für uns gesperrten Straßen zum Kap gefahren. Dort angekommen, wurde die Kuppel von einem Autokran auf den Peilturm gehoben. Vor den Augen von Presse und Fernsehen schwebte die Kuppel zur Spitze. Da habe ich einfach nur noch die Luft angehalten.

Gleich geschafft: Die Glaskuppel wird in echter Handarbeit geschlossen.
Gleich geschafft: Die Glaskuppel wird in echter Handarbeit geschlossen.

Wir hatten die Dübel vorher schon eingemessen und gesetzt, sodass wir die Stahlkonstruktion mit den angeschweißten Fußplatten und Bohrungen direkt auf die Dübel setzen konnten. Es passte ­perfekt! Danach mussten wir mehrere Tage warten, um die Glasscheiben einzusetzen, weil es einfach zu stürmisch war. Schließlich haben wir nachts bei Scheinwerferlicht verglast. Was für ein Abenteuer. 

„Projekt Peilturm“ hat uns in der Region sehr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gebracht. Heute haben wir in unserer Zentrale auf Rügen 60 Mitarbeiter, und noch immer verwenden wir das RAICO‑System regelmäßig. In meinen Augen ist es genial gebaut, eine Konzeption ohne Schwachstellen. Eine Stahl-Glas-Fassade oder ein Stahl-Glas-Dach läuft ja nicht mal eben vom Band, wir bauen oft Sonder­lösungen. Das System macht es ­möglich, dass wir die gleichen Bauelemente immer wieder für neue Anforderungen und Geometrien einsetzen können. 

Die Glaskuppel von Innen
Die Glaskuppel von Innen

Das Kernstück ist in meinen Augen das Dichtungssystem mit den Entwässerungen und Belüftungen und die Möglichkeit, diese Dichtungen sehr flexibel zusammenzuführen und miteinander zu verkleben. Und dann auf diesem Schraubkanal verschiedenste Bauteile zu montieren. 

Vor allem aber habe ich vom ersten Moment an gespürt, dass uns die selbe technische Leidenschaft verbindet. Das ist bis heute so, und dafür danke ich Ihnen. Ich schätze Ihr Konzept sehr, neben standardisierten Lösungen auch Sonderlösungen mit uns gemeinsam zu entwickeln.

Zu Ihrem Jubiläum gratuliere ich Ihnen ganz herzlich und wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern Gesundheit und weiterhin viel Erfolg für Ihre innovativen Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft.

Mit besten Grüßen von der Insel Rügen

Unterschrift Hurtienne

Martin Hurtienne, Geschäftsführer
FLZ Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH

Luft anhalten: ein Auto-Kran setzt die Kuppelkonstruktion auf den Peilturm
Luft anhalten: ein Auto-Kran setzt die Kuppelkonstruktion auf den Peilturm